Curriculum der generalistischen beruflichen Weiterbildung

zur
„Pflegefachkraft für außerklinische Intensiv- und Beatmungspflege“ (Basiskurs)
und
„Pflegeexperte für außerklinische Intensiv- und Beatmungspflege“ (Expertenkurs)
zertifiziert durch CNI – Competenz Netzwerk außerklinische Intensivversorgung e. V.
 
Stand 22. September 2020
 

Vorwort:

 
Die außerklinische Intensiv- und Beatmungspflege ist aufgrund medizinisch-pflegerischer Entwicklungen, technischer Innovationen und gesundheitspolitischer Vorgaben einem stetigen Wandel unterzogen. Diese Veränderungen erfordern auch in der Weiterbildung von qualifiziertem und hochspezialisiertem Fachpersonal stetige Anpassungen.
Dem wird das neue CNI-Curriculum in besonderer Weise gerecht und erfüllt gleichermaßen die Anforderungen
·         der 2017 revidierten S2-Leitlinie „Nichtinvasive und invasive Beatmung als Therapie der chronischen respiratorischen Insuffizienz“,
·         der 2018 in Kraft getretenen Qualitätsprüfungsrichtlinie des MDK (QPR Ambulant) sowie
·         der Ende 2019 erschienen Rahmenempfehlungen zum Ergänzungsvertrag nach §132a Abs.4 SGB V zur ambulanten außerklinischen                                Intensivpflege im Rahmen der Häuslichen Krankenpflege.
Neben hoher Fachlichkeit mit fundiertem Theorieverständnis legt der CNI-Lehrplan Wert vor allem auf professionell-anwendungsorientierten Kompetenzerwerb und berufspraktische Umsetzbarkeit der Weiterbildung.
 

Zielgruppe:

 
Die CNI-Weiterbildung richtet sich an alle Pflegefachkräfte (examinierte Gesundheits- und Krankenpfleger/-schwester, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-schwester oder Altenpfleger/in), die in der außerklinischen/ambulanten Intensiv- und Beatmungspflege tätig sind oder sich weiterentwickeln wollen. Ihnen wird damit aktuelles Fachwissen und eine professionelle Handlungsbasis für die hochspezialisierte und verantwortungsvolle Aufgabenerfüllung und systematische Organisation des Pflegeprozesses vor dem Hintergrund des zugrunde liegenden Krankheitsbildes vermittelt.
 

Struktur der Weiterbildung:

Die Weiterbildung besteht aus zwei voneinander unabhängigen Zusatzqualifikationen
        Ø Basisqualifikation (mindestens 120 Zeitstunden berufsbegleitend)
–       Mindestens 40 Zeitstunden Unterricht mit abschließender schriftlicher Prüfung
–       Mindestens 80 Zeitstunden Praktika laut Praktikumskatalog (40 Std. ambulant, 40 Std. stationär). Teil dieser Praktika (5 Zeitstunden) ist ein                Praxis-Transferbericht indem der Teilnehmer aus einem der Praktikumseinsätze oder zu einer thematischen Vorgabe mit Beatmungsbezug,                zuvor Erlerntes in die Praxis überträgt.
Diese Zusatzqualifikation richtet sich laut §8 Abs. (11) Ergänzungsvertrag an alle Pflegekräfte, die eigenverantwortlich die fachpflegerische Versorgung bei beatmeten und unbeatmeten Intensivpflegepatienten übernehmen. Bei erfolgreichem Abschluss wird das Zertifikat „Pflegefachkraft für außerklinische Intensiv- und Beatmungspflege“ erteilt.
Das Abschlusszertifikat wird vom Bildungsanbieter erteilt nachdem sämtliche Theorie- und Praxisteile erfüllt sind und ans zentrale CNI-Register gemeldet. Geplanter Zeitrahmen hierfür ist 12 Monate. Aus Pandemiegründen ist eine Verlängerung auf bis zu 24 Monate möglich.
         Ø  Expertenqualifikation (mindestens 200 Zeitstunden)
–       140 Zeitstunden Unterricht einschließlich Erstellung der Facharbeit und schriftlicher Abschlussprüfung. Die Facharbeit kann von Teilnehmern               im Rahmen der letzten Blockwoche präsentiert werden.
–       Mindestens 60 Zeitstunden Praktika laut Praktikumskatalog
Diese Zusatzqualifikation richtet sich laut §8 Abs. (5) + (6) an Personen mit der Funktion „verantwortliche Pflegefachkraft“ in der Versorgung beatmeter und Intensivpflegepatienten in Pflegediensten mit mehr als 20 Beschäftigten. Bei erfolgreichem Abschluss wird das Zertifikat „Pflegeexperte für außerklinische Intensiv- und Beatmungspflege“ erteilt.
Geplanter Zeitrahmen hierfür ist 12 Monate. Aus Pandemiegründen ist eine Verlängerung auf bis zu 24 Monate möglich.
 

Kursinhalte:

 
Basisqualifikation „Pflegefachkraft für außerklinische Intensiv- und Beatmungspflege“
Mindestumfang gesamt 120 Zeitstunden: mindestens 40 Zeitstunden Theorie (davon sind mindestens 50% in Präsenz zu geben), mindestens 80 Zeitstunden Praxis
 
Codierung der Referentenqualifikation:
Fachkrankenschwester / -pfleger AI                                                                      1
Atmungstherapeut/in                                                                                              2
Lehrer/in für Pflegeberufe                                                                                       3
Facharzt mit Beatmungserfahrung/FA für  genannten Fachbereich                  4
Person mit nachgewiesenen speziellen Kenntnissen auf diesem Gebiet          5

 
 
Unterrichtsthemen
Geeignete Referenten
UE á 45 Minuten
Medizinisch-therapeutischer Block (22 Unterrichtseinheiten)
Spezielle Krankheitslehre:
 
 
Pulmologie
(Anatomie der Atmungsorgane, Physiologie der Atmung, Ventilation Perfusion Diffusion,
Krankheitslehre: Obstruktion Restriktion, Erkrankungen der Lunge,
Erkrankungen der Atempumpe)
 
1,2,3,4,5
4
Kardiologie
(Anatomie, Zusammenhänge pulmo-kardio, Blutkreislauf, Auswirkungen
von Druck im Thorax)
1,2,3,4,5
1
Neurologie (Grundbegriffe der Anatomie und Physiologie,
Krankheitslehre: ALS, hoher Querschnitt,
Muskeldystrophie, cerebrale Blutungen)
1,2,3,4,5
4
Pädiatrie
(Besonderheiten in der Anatomie, Atemwegsmanagement)
 
1,2,3,4,5
1
Sauerstofftherapie (LTOT, Sauerstoffquellen, Berechnung des Gasvorrats)
1,2,3,4,5
1
Grundlagen der Beatmung,
(Begriffe: Druck, Volumen, Zeit, Flow, Parameter: IPAP, EPAP, Vt, F, I:E, Rampe,
PEEP, Trigger, Beatmungsmodi: VCV, PCV, aPCV, aPCV TgV, Interfaces)
 
1,2,3,4,5
4
Gerätekunde (Beatmungsgerät, Hustenassistent, Inhalationsgerät, Atemgasheizung)
1,2,3,4,5
2
Medizinisch-therapeutischer Block
Besonderheiten der Heimbeatmung (Eigenverantwortung, Konflikt Patientenwille vs. Verordnung, Verhalten im Notfall)
1,2,3,4,5
1
Tracheostomaversorgung und Kanülen-management
(Cuff, Fensterung, subglotische Absaugung, Inlett, Phonation, Material, Komplikationen, TK Wechsel)
 
1,2,3,4,5
4
 
Zwischensumme
 
22 UE
Pflegerischer Themenblock (20 Unterrichtseinheiten)
Pflegerische Versorgung und Besonderheiten in der Neurologie (Spezielle Pflege neurologisch Erkrankter)
1,2,3,5
3
Pflegerische Versorgung und Besonderheiten in der Palliativversorgung (Prinzipien der Palliativversorgung, Kontaktmöglichkeiten bei Bedarf,
mögliche Ansprechpartner)
 
1,2,3,5
1
Sekretmanagement (Aktive und passive Atemgasbefeuchtung, Inhalation, medikamentöse Sekretolyse,
apparative Sekretmobilisation, Absaugen)
 
1,2,3,5
3
Ernährung des Intensivpatienten (Ernährungsstrategien in der AI, Begriffe: Normo.- Hochkalorisch, Besonderheiten bei Kindern)
 
1,2,3,5
3
Schmerzmanagement (Prinzipien des Schmerzmanagements, Ansprechpartner, Kontakt bei Bedarf)
 
1,4,5
1
Atemtherapeutische Maßnahmen (Atemtrainer, PEP Systeme, manuelle Techniken)
 
2,3,5
2
Hygiene
 
1,2,3,5
3
Notfallmanagement
 
1,2,3,5
2
Rechtliche Aspekte (MPG Grundlagen, Delegation, Patientenverfügung Grundlagen)
 
1,3,5
2
 
Zwischensumme
 
20 UE
Psychosozialer Themenblock (6 Unterrichtseinheiten)
Ethik
 
Überleitungsmanagement
 
Angehörigenintegration, Bewältigungsstrategien (Coping)
 
 
1,3,5
   6
 
Altersspezifische oder generalistische Themen
 
Einzelabsprache
5 UE
 
Abschlussprüfung: Mischung aus mindestens 20 Fragen in Multiple-Choice oder Freitextform durch den Bildungsanbieter. Mindestens 50% müssen korrekt beantwortet sein
 
1 UE
 
Mindest-Gesamtstundenzahl:
54 UE = 40 Zeitstunden
     
 

Praktikumskatalog:

Der Teilnehmer sucht sich eigenständig aus nachfolgendem Katalog Praktikumsstellen aus und lässt diese vom Praktikumsgeber mit der Angabe der geleisteten Stunden abzeichnen. Insgesamt muss der Teilnehmer 80 Stunden Praktikum nachweisen und legt die Nachweise unaufgefordert vor. Fehlzeiten sind nicht vorgesehen. Das Praktikum ist vollumfänglich zu absolvieren. Praktikumsgeber für den ambulanten Zeitanteil kann das eigene Unternehmen sein. Teil der Praktika ist die Anfertigung eines Praxistransferberichts. In diesem soll das erworbene Sachverständnis aus einem der Praktikumseinsätze dargestellt werden. Für die Erstellung dieses Berichts werden 5 Zeitstunden aus dem Praktikumszeitraum angerechnet.
 
 
Praktikumsgeber
Stundenzahl
 Stempel Unterschrift
Ambulantes Praktikum (40 Zeitstunden)
Außerklinische Beatmungsinstitution, auch pädiatrische (WG; organisierte Wohneinheit)
 
 
 
Häusliche Beatmungspflege 1:1
 
 
 
Betreutes Wohnen mit Beatmungspatienten
 
 
 
Stationäre Pflegeeinrichtung mit Beatmungspatienten
 
 
 
Klinisches Praktikum (40 Zeitstunden)
Weaningzentrum
 
 
 
 
Beatmungszentrum
 
 
 
Klinik mit internistischer Intensivstation
 
 
Klinik mit Kinderintensivstation
 
 
 
 
Klinik mit Weaningstation
 
 
 
 
Klinik mit interdisziplinärer (Kinder-) Intensivstation
 
 
 
 
 
 
GESAMT 40 + 40 = 80 Stunden
 
Expertenqualifikation „Pflegeexperte für außerklinische Intensiv- und Beatmungspflege“
Mindestumfang 200 Zeitstunden: 140 Zeitstunden Theorie (davon sind mindestens 50% in Präsenz zu geben), mindestens 60 Zeitstunden Praxis
Codierung der Referentenqualifikation:
Fachkrankenschwester / -pfleger AI                                                                        1
Atmungstherapeut/in                                                                                                2
Lehrer/in für Pflegeberufe                                                                                        3
Facharzt mit Beatmungserfahrung                                                                          4
Person mit nachgewiesenen speziellen Kenntnissen auf diesem Gebiet           5

Die UE nach dem Querstrich gibt die Anzahl der altersspezifischen d.h. pädiatrischen Themen an.
 
 
Unterrichtsthemen
Geeignete Referenten
UE
Medizinisch-therapeutischer Block (70 Unterrichtseinheiten, davon 14 UE altersspezifische oder generalistische Inhalte)
Krisen- und Belastungssituationen
 
1,2,3,5
4 /2
Spezielle Krankheitslehre (Pulmologie, Kardiologie, Pädiatrie, Neurologie), Häufige Krankheitsbilder der jeweiligen Fachrichtungen.
 
1,2,3,4,5
22 / 4
Sauerstofflangzeittherapie
 
1,2,3,4,5
2
Grundlagen der Beatmung, Besonderheiten der Heimbeatmung, einschl. Gerätekunde und Beatmungszugänge Beatmungsüberwachung
 
1,2,3,5
26 / 6
Tracheostomaversorgung und Kanülenmanagement
 
1,2,3,5
8 / 2
Versorgung bei Weaningversagen nach Langzeitintensivtherapie (Langzeitweaning/Prognose)
 
1,2,3,4,5
8
 
Zwischensumme
 
70 UE/14
Pflegerischer Themenblock (48 UE, davon 8 UE für altersspezifische oder generalistische Inhalte)
Pflegerische Besonderheiten in der Neurologie und Palliativversorgung
 
1,3,5
8 / 3
Sekretmanagement
 
1,2,3,5
4
Ernährung, Dysphagie
 
1,2,3,5
8 / 2
Schmerzmanagement
 
1,4,5
4
Atemtherapeutische Maßnahmen
 
 
1,2,3,5
8 / 2
Hygiene
 
 
1,2,3,5
6
Notfallmanagement, Qualitäts- und Risikomanagement
1,2,3,5
4
Rechtliche Aspekte (z.B. Patientenverfügung, Medizinprodukte-gesetz)
 
3,5
4 / 1
 
Zwischensumme
 
46 UE/8
Psychosozialer Themenblock (40 UE)
Gesprächsführung, Stressmanagement und Konflikt-management
 
1,3,5
10 / 2
Ethik und Angehörigenintegration,
 
1,3,5
10 / 4
Professionelles Rollenverständnis und Bewältigungsstrategien
 
1,3,5
8 / 2
Überleitungsmanagement
 
1,2,3,5
4
Personal- und Organisationsentwicklung
 
3,5
8
 
Zwischensumme
 
40 UE/6
 
Schwerpunkthemen des Bildungsträgers,
u.a. die Möglichkeit zur
mündliche Präsentation der Facharbeit (10 Minuten Präsentation + 5 Minuten Diskussion)
 
 
10
 
Fallbezogene Facharbeit
 
 
18
 
Abschlussprüfung: Mischung aus mindestens 30, maximal 40 Fragen in Multiple-Choice und Grafiken. Mindestens 50% müssen korrekt beantwortet sein.
Wird zentral vom CNI gestellt, korrigiert und bewertet
 
2
 
Gesamtstunden
 
186 UE (davon 28 mit generalistischem Inhalt) = 140 Zeitstunden
 

Praktikumskatalog:

Der Teilnehmer sucht sich eigenständig aus nachfolgendem Katalog Praktikumsstellen aus und lässt diese vom Praktikumsgeber mit der Angabe der geleisteten Stunden abzeichnen. Der Bildungsanbieter überprüft, ob die gewählten Praktikumsstellen den Anforderungen entsprechen. Insgesamt sind 60 Stunden Praktikum nachweisen. Der Teilnehmer legt die Nachweise unaufgefordert vor. Fehlzeiten sind nicht vorgesehen. Das Praktikum ist vollumfänglich zu absolvieren. Die Praktikumsgeber für den ambulanten Bereich oder eine Einrichtung dürfen jedoch nicht zum eigenen Unternehmen/Unternehmensgruppe gehören:
 
 
 
Praktikumsgeber
Stundenzahl mind. 60 Stunden gesamt
 Stempel Unterschrift
Mindestens 2/3 der Zeitstunden klinisch unter fachlicher Anleitung
Intensivmedizinische Reha
 
 
 
 
Weaningzentrum
 
 
 
 
Zentrum für außerklinische Beatmung
 
 
 
 
Interdisziplinäre/Internistische (Kinder-) Intensivstation
 
 
 
Maximal 1/3 der Zeitstunden ambulant oder in einer Einrichtung
Wohngemeinschaft, organisierte Wohneinheit, betreutes Wohnen
 
 
 
Stationäre Pflegeeinrichtung mit Beatmungs- und Intensivpflege
 
 
 
Außerklinische (Kinder-) Intensivpflege, jedoch nicht im eigenen Unternehmen!
 
 
 
 
GESAMT 40 + 20 = 60
 
 
 

Zertifikat:

Die Bildungseinrichtung vergibt ein Abschlusszertifikat über den erfolgreich absolvierten Kurs „Pflegefachkraft für außerklinische Intensiv- und Beatmungspflege“ bzw. „Pflegeexperte für außerklinische Intensiv- und Beatmungspflege“, auf dem die Inhalte der jeweiligen Weiterbildung einschließlich der Stundenzahlen, Prüfungsergebnis und Praktikumsbestätigung bescheinigt werden. Die maximal zulässige Fehlzeit im Bereich „Unterricht/Theorie“ beträgt 10 %.